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Medienmitteilung vom 27.6.2016

Integration von spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen: nur in Kooperation zu leisten

Bern, 27. Juni 2016. In der Schweiz nimmt die Zahl der 16 bis 25-Jährigen, die spät in die Schweiz zuwandern und das Schulsystem nicht bei uns durchlaufen haben, zu. Das stellt auch das Bildungssystem vor grosse Herausforderungen. Die EDK wird mit dem Bund Verhandlungen über die Finanzierung von Massnahmen zur Integration und Schulung von spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne Abschluss auf der Sekundarstufe II aufnehmen.

In der Schweiz nimmt die Zahl der spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen (16 bis 25-Jährige) zu. Dies hängt auch mit den seit 2014 stark ansteigenden Asylgesuchen zusammen. Diese Personen haben die Schule nicht in der Schweiz durchlaufen und viele verfügen über keinen Bildungsabschluss auf Sekundarstufe II (also z.B. Berufsabschluss). Im Jahr 2013 – aktuellere Zahlen liegen keine vor – hatte von den ständig in der Schweiz lebenden spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen (rund 54'000) gut ein Viertel keinen in der Schweiz anerkannten Abschluss auf Sekundarstufe II.

Viele spät Zugewanderte dieser Altersgruppe bleiben nicht lange in der Schweiz. Für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer langfristigen Bleibeperspektive ist hingegen ein Abschluss auf der Sekundarstufe II anzustreben, denn er ist eine Voraussetzung für einen Einstieg in das berufliche Leben oder in eine Ausbildung auf Tertiärstufe. Unser Bildungssystem ist mit verschiedenen Massnahmen für die Zuwanderer dieser Altersgruppe bereits gut gerüstet, z.B. mit Integrations-Brückenangeboten, aber auch dank starker Partnerschaften mit den Wirtschaftsverbänden und Betrieben (Berufsbildung). Dennoch stellt die Zunahme dieser Gruppe das System vor grosse Herausforderungen.

Im Rahmen der EDK haben die Kantone an ihrer Plenarversammlung vom 23. Juni 2016 die aktuelle Situation besprochen. Sie haben das EDK-Präsidium damit beauftragt, in Rücksprache mit anderen interkantonalen Konferenzen (Soziales, Integration) mit dem Bund Verhandlungen über die Finanzierung von – in der Regel bereits bestehenden – Massnahmen zur Integration und Schulung von spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne Abschluss auf Sekundarstufe II aufzunehmen. Dabei wird sich die EDK auf Grundsätze stützen, die zusammen mit den für das Thema zuständigen Bundesstellen, dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und dem Staatssekretariat für Migration (SEM) sowie unter Einbezug der vom Thema betroffenen interkantonalen Instanzen erarbeitet worden sind. Das von Bund und Kantonen vereinbarte Ziel, dass 95% der 25-Jährigen in der Schweiz über einen Abschluss auf der Sekundarstufe II verfügen sollen, soll auch für diese Gruppe angestrebt werden.

In Zukunft wird es namentlich darum gehen, zwei Phasen klarer zu unterscheiden und damit auch klar zu sagen "wer ist zuständig?" und "wer finanziert?". In Phase 1 geht es um Massnahmen, mit denen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass jemand überhaupt an einem Bildungsangebot teilnehmen kann (insb. Förderung der lokalen Sprachkenntnisse). Hier geht es um Integrationsmassnahmen, die folglich auch von Seiten Integration – und nicht von der bildungspolitischen Seite – durchgeführt und finanziert werden müssen. Erst in Phase 2 geht es um die Teilnahme an Angeboten des postobligatorischen Bildungssystems. Diese werden von der Bildungsseite durchgeführt und finanziert. Im Hinblick auf die zunehmenden Zahlen und die aufwendigen Massnahmen (z.B. Coaching) wird man sich auch in diesem Bereich darauf zu verständigen haben, wie diese finanziert werden können.

Über weitere Beschlüsse der Plenarversammlung vom 23. Juni 2016 wird im EDK-Newsletter éducationCH informiert. Er erscheint Anfang Juli 2016. Newsletter abonnieren

Hintergrund
Gemäss einer vom Staatssekretariat für Migration (SEM) in Auftrag gegebenen Erhebung lebten Ende 2013 rund 54'000 späteingereiste 16- bis 24-Jährige in der Schweiz (Ausweise B/C/F). Hinzu kommen 20'470 Kurzaufenthalter/innen L und 4'300 Asylsuchende.
Von den ständig hier lebenden 54'000 Späteingereisten (Ausweise B/C/F) stammen 54% aus der EU/EFTA, 5% kamen ursprünglich über ein Asylgesuch und 41% aus Drittstaaten. Etwa ein Viertel von ihnen verfügte über keine in der Schweiz anerkannte Ausbildung auf Sekundarstufe I.
(Quelle: Bestandesaufnahme zur Bildungsbeteiligung von spät eingereisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bericht des Büro BASS vom Januar 2016

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Pressedienst Generalsekretariat EDK
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