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Medienmitteilung vom 15.09.2011


Lehrerin/Lehrer werden als Zweitausbildung:
Anhörung eröffnet


Bern, 15. September 2011. Die Kantone wollen gemeinsame Regeln definieren, wie Personen aus anderen Berufen (Quereinsteigende) Lehrerin oder Lehrer werden können. Es geht um die Ausbildung zur Lehrerin/zum Lehrer für die Vorschulstufe und Primarstufe sowie für die Sekundarstufe I.

Der Vorstand der EDK hat an seiner Sitzung vom 8. September 2011 Vorschläge für entsprechende Änderungen des Diplomanerkennungsrechts der EDK in eine Anhörung gegeben. Beispiel: Festlegung von Mindestanforderungen für Ausbildungsgänge, welche Studium und Unterrichtstätigkeit verbinden.

Mit der Weiterentwicklung des Diplomanerkennungsrechts will die EDK die Kantone bei der Umsetzung von Lösungen für die Qualifikation von berufserfahrenen Personen (Quereinsteigenden) zur Lehrerin/zum Lehrer unterstützen. Ziel ist es, auch diese Abschlüsse gesamtschweizerisch anzuerkennen. Welche Mindestanforderungen hierfür gelten sollen, das will die EDK nun in einer Anhörung klären.

Die Arbeiten wurden zwar ausgelöst durch einen gestiegenen Bedarf an Lehrkräften; ein Fachkräftemangel zeigt sich in der Schweiz auch in anderen Branchen. Die Rekrutierung von Quereinsteigenden soll aber dauerhaft möglich gemacht werden. Mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung können diese Erwachsenen einen Gewinn für die Schule darstellen.

Hintergrund

Die vorgeschlagenen Änderungen des EDK-Diplomanerkennungsrechts betreffen die Ausbildung zur Vorschul- und Primarlehrperson sowie die Ausbildung zur Lehrperson der Sekundarstufe I. Diese Ausbildungen finden vorwiegend an Pädagogischen Hochschulen statt und dauern 3 Jahre (Vorschul- und Primarschulstufe) resp. 4.5 Jahre (Sekundarstufe I). Die Ausbildung ist heute in erster Linie ausgerichtet auf Personen, die im Anschluss an eine gymnasiale Maturität oder eine Fachmaturität Pädagogik eine Ausbildung zur Lehrperson aufnehmen wollen. Weitere Wege in die Lehrerausbildung sind möglich, zum Beispiel mit einer Berufsmaturität, aber dann ist eine Ergänzungsprüfung in Allgemeinbildung erforderlich.

Die Vorschläge im Überblick

Die Vorschläge gelten für Berufsleute, die mindestens 30 Jahre alt sind und über eine mehrjährige Berufserfahrung verfügen.

a) Verkürzung des Studiums durch die Anrechnung nicht formal erworbener Kompetenzen: Dies soll für Personen mit dem formalen Zulassungsausweis (gymnasiale Maturität oder anderer Ausweis, siehe "Hintergrund") möglich gemacht werden. Bereits heute können sich die Studierenden schulische Vorleistungen und Unterrichtserfahrung an das Studium anrechnen lassen, nicht aber andere berufliche Erfahrungen und Lebenserfahrung. Neu sollen Quereinsteigenden auch Kompetenzen an die Ausbildung angerechnet werden können, die sie beispielsweise im Rahmen einer mehrjährigen Tätigkeit in der Jugendarbeit erworben haben, im Rahmen einer Tätigkeit als Sprachlehrperson usw. Die Kompetenzen müssen für den Lehrberuf einschlägig sein. Mit einer solchen Anrechnung kann das Studium maximal um ein Studienjahr verkürzt werden. Zusätzlich können wie bisher formal erworbene Leistungen angerechnet werden, beispielsweise ein Hochschulabschluss in einem bildungsnahen Bereich (Psychologie, Erziehungswissenschaft) oder Sprachdiplome.

b) Aufnahme "sur dossier": Kandidatinnen und Kandidaten ohne formalen Zulassungsausweis (gymnasiale Maturität oder anderer Ausweis, siehe "Hintergrund") weisen in einem Dossier nach, dass sie über die Studierfähigkeit verfügen, die für ein Hochschulstudium notwendig ist. Das gilt beispielsweise für Berufsleute mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II (Berufslehre) und mehrjähriger Berufserfahrung. Die aufnehmende Hochschule nimmt diese Überprüfung vor.

c) Eintritt in einen Studiengang, der Ausbildung und Unterrichtstätigkeit verbindet: Die quereinsteigenden Berufsleute übernehmen frühestens nach dem ersten Studienjahr (bei einem Vollzeitstudium) eine teilzeitliche Unterrichtstätigkeit und unterrichten eine Schulklasse. Die ausbildende Hochschule begleitet die Unterrichtstätigkeit. Die Unterrichtstätigkeit ist also auch Teil des Studiums, in ihrem Rahmen werden sowohl praktische wie auch theoretische Inhalte vermittelt. Kandidatinnen und Kandidaten für eine solche Ausbildung müssen vor Aufnahme des Studiums einen Berufseignungstest bestehen. Inwieweit sich diese Ausbildung nur an Personen richten soll, die über den notwendigen formalen Zulassungsausweis verfügen (gymnasiale Maturität oder anderer Ausweis, siehe "Hintergrund") oder auch eine Aufnahme "sur dossier" möglich sein soll (siehe b), soll die Anhörung klären.

Informationen zur Anhörung

Die Anhörung richtet sich an die Kantone, an die Institutionen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung (Pädagogische Hochschulen und Universitäten) und verschiedene Berufsverbände. Sie dauert bis Mitte Dezember 2011.

Herausgeber:
Pressedienst Generalsekretariat EDK
+41 (0)31 309 51 11

 

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