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Medienmitteilung vom 04.07.2011

Harmonisierung der obligatorischen Schule:
die EDK legt die ersten nationalen Bildungsziele fest

Die Schulharmonisierung auf föderalistischem Weg ist gut unterwegs

Bern, 4. Juli 2011. Die EDK legt erstmals gemeinsame Bildungsziele für die obligatorische Schule fest. 2015 will die EDK eine abschliessende Bilanz ziehen, wie gut die Harmonisierung der obligatorischen Schule Schweiz erreicht ist. Die Harmonisierung der Ziele der Bildungsstufen und der wichtigsten Strukturen der Volksschule ist seit 2006 ein Verfassungsauftrag an die Kantone.

Nationale Bildungsziele: in vier Fächern zu erreichende Grundkompetenzen
Die EDK hat an ihrer Plenarversammlung vom 16. Juni 2011 in Bern die ersten nationalen Bildungsziele frei gegeben. Diese beschreiben, welche Grundkompetenzen die Schülerinnen und Schüler in der Schulsprache, in den Fremdsprachen, in Mathematik und Naturwissenschaften erwerben sollen. Die Freigabe erforderte eine Zustimmung von zwei Dritteln der EDK-Mitglieder. Diese Mehrheit wurde an der Sitzung vom 16. Juni 2011 für alle vier Fachbereiche klar erreicht.

Damit geht ein wichtiges Projekt der EDK zu Ende. Fachleute aus Wissenschaft, Fachdidaktik und Schulpraxis haben in mehrjähriger Arbeit die Grundlagen für die nationalen Bildungsziele erarbeitet. Alle Sprachregionen waren vertreten. In einer mehrmonatigen Anhörung bei allen Kantonen und weiteren Fachkreisen (Januar bis Juli 2010) sind die Vorschläge für nationale Bildungsziele auf eine hohe Akzeptanz gestossen. Die Ergebnisse der Anhörung sind in eine Überarbeitung der Grundkompetenzen eingeflossen.

Es ist nicht gedacht, dass die Lehrpersonen direkt mit diesem Instrument arbeiten. Die Grundkompetenzen richten sich in erster Linie an Fachleute, welche Lehrpläne, Lehrmittel oder Beurteilungsinstrumente erarbeiten. Sie werden als Zielvorgaben in die bestehenden (Plan d'études romand) oder geplanten (Lehrplan 21 für die Deutschschweiz, Tessiner Lehrplan) sprachregionalen Lehrpläne einfliessen.

Zwischenbilanz zur Harmonisierung der obligatorischen Schule fällt positiv aus
Im Mai 2006 hat das Schweizer Stimmvolk und haben alle Stände sehr deutlich Ja gesagt zu den revidierten Bildungsartikeln in der Bundesverfassung (86% Zustimmung). Seither sind die Kantone per Bundesverfassung in der Pflicht, die wichtigsten Strukturen und Ziele der obligatorischen Schule schweizweit anzugleichen. Wie diese Harmonisierung zu erfolgen hat, dafür haben die kantonalen Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren das HarmoS-Konkordat (Interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule) erarbeitet. 2007 hat die EDK dieses Konkordat zuhanden der kantonalen Beitrittsverfahren verabschiedet.

Die Lösungen des HarmoS-Konkordats haben seither auf demokratischem Weg eine klare Mehrheit gefunden. 15 Kantone sind dem Konkordat durch Entscheid des kantonalen Parlaments oder durch einen kantonalen Volksentscheid beigetreten. In diesen Kantonen leben 76.4% der Wohnbevölkerung. Sieben Kantone haben den Beitritt abgelehnt, vier haben den Entscheid aufgeschoben.

Für die landesweite Harmonisierung gemäss Bundesverfassung (Art. 62 Abs. 4) sind demnach grundsätzlich die Lösungen des Konkordats massgeblich. Das betrifft:

  • Strukturen: zwei Jahre obligatorischer Kindergarten und gemeinsamer Stichtag für den Eintritt in den Kindergarten (31. Juli); die Primarschule inklusive Kindergarten oder Eingangsstufe dauert acht Jahre, die Sekundarstufe I drei Jahre.
  • Ziele: Anwendung von nationalen Bildungszielen (Grundkompetenzen für vier Fachbereiche liegen vor) und sprachregionalen Lehrplänen (Lehrplan 21 für die Deutschschweiz, Plan d'études romand und Tessiner Lehrplan). Über die Einführung des Lehrplans 21 werden die deutschsprachigen Kantone nach heutiger Planung per 2014 entscheiden; an der Erarbeitung des Lehrplans beteiligen sich alle deutschsprachigen Kantone sowie die zweisprachigen Kantone und der Kanton Graubünden. Der Plan d'études romand (PER) wird ab Herbst 2011 gestaffelt in der Westschweiz eingeführt. Der Kanton Tessin hat die Überarbeitung seines Lehrplans aufgenommen.

Eine abschliessende Bilanz wird die EDK 2015 vornehmen

Per 31. Juli 2015 wird die EDK eine abschliessende Bilanz ziehen über die Harmonisierung der verfassungsmässigen Eckwerte in den Kantonen. Die von der Bundesverfassung verlangte Harmonisierung der Ziele der Bildungsstufen und der wichtigsten Strukturen gilt für alle Kantone. Die Plenarversammlung der EDK hat sich im März 2011 für folgendes Vorgehen ausgesprochen: Kantone, welche dem Konkordat bis Ende 2014 nicht beigetreten sind, werden eingeladen, bis zu diesem Zeitpunkt konkrete Vorbehalte zur Harmonisierung einzelner Punkte anzumelden.

Aus heutiger Sicht ist zu sagen, dass auch in jenen Kantonen, welche dem Konkordat bisher nicht beigetreten sind oder einen Beitritt abgelehnt haben, die meisten der verfassungsmässigen Eckwerte bereits nach dem Modell des HarmoS-Konkordats harmonisiert oder dazu unterwegs sind.

Es wird 2015 zu beurteilen sein, ob die erreichte Harmonisierung als genügend erachtet wird. Für eine Bundesintervention wird aus Sicht der EDK kein Bedarf bestehen. Die Harmonisierung auf föderalistischem Weg ist gut unterwegs.

Nicht unter Artikel 62 Absatz 4 der Bundesverfassung und damit nicht in die abschliessende Bilanz werden Blockzeiten und das bedarfsgerechte Angebot von Tagesstrukturen fallen. In diesem Punkt geht das HarmoS-Konkordat über die Bundesverfassung hinaus. Blockzeiten und Tagesstrukturen haben auch im Konkordat einen anderen Status und unterliegen im Gegensatz zu den anderen Eckwerten nicht der Umsetzungsfrist bis 2015.

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