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Medienmitteilung vom 10.02.2011

Vereinbarung Höhere Fachschulen:  Vernehmlassung abgeschlossen


Bern,10. Februar 2011. Die Kantone und die weiteren Vernehmlassungsadressaten befürworten mehrheitlich die Schaffung einer Finanzierungsvereinbarung für Höhere Fachschulen. Zahlreiche Punkte werden allerdings kontrovers diskutiert.
Die Schaffung einer solchen Vereinbarung würde bei den Höheren Fachschulen die Freizügigkeit für die Studierenden verbessern.

Der Vorstand der EDK hat an seiner Sitzung vom 20. Januar 2011 Kenntnis genommen von den Ergebnissen der Vernehmlassung zum Entwurf für eine "Interkantonale Vereinbarung über Beiträge an Bildungsgänge der Höheren Fachschulen (HFSV)".

Die Ergebnisse

25 Kantonsregierungen und das Fürstentum Liechtenstein begrüssen die Schaffung einer neuen Finanzierungsvereinbarung Höhere Fachschulen. Der Kanton Luzern lehnt den Entwurf aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Bei den übrigen zur Vernehmlassung eingeladenen Kreisen (Organisationen der Arbeitswelt, Bildungsanbieter und weitere) spricht sich ebenfalls eine Mehrheit für die Schaffung dieser Finanzierungsvereinbarung aus.

Die grosse Mehrheit der Vernehmlassungsteilnehmer unterstützt den Grundsatz einer verbesserten Freizügigkeit für die Studierenden im Bereich der Höheren Fachschulen.

Der Vorschlag, die Bildungsangebote durch Mindestvoraussetzungen (z.B. Vorgaben zur Infrastruktur, Mindeststudierendenzahl usw.) stärker zu steuern, wird mehrheitlich abgelehnt.

Kontrovers diskutiert wird die Berechnung der Beitragssätze, d.h. wie viel zahlt ein Vereinba-rungskanton für einen Studierenden, der ausserhalb seines Kantons eine Höhere Fachschule besucht. Der vorgeschlagene Ansatz von 50–60% der effektiven Vollkosten eines Ausbildungsangebots (das sind je nach Fach für Vollzeit-Studiengänge zwischen CHF 2000.– bis CHF 7000.– pro Semester) wird von vielen Vernehmlassungsteilnehmern als zu tief erachtet. Weiter wird mehrfach vorgeschlagen, dass als Grundlage für die Berechnungen für alle gleiche Standardkosten statt effektive Vollkosten verwendet werden sollten.

Vernehmlassungsteilnehmer aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Land-/Forstwirtschaft kritisieren den Ansatz von 50–60% besonders häufig als zu tief. In diesen Bereichen, die teilweise einen öffentlichen Versorgungsauftrag erfüllen, übernimmt die öffentliche Hand heute auch vielfach die Praktikumskosten und bezahlt diese zusammen mit den Bildungskosten. Analog zu den anderen Studienbereichen können aber Praktikumskosten, die vom Arbeitgeber (Betrieb) getragen werden, nicht über eine schulische Finanzierungsvereinbarung abgewickelt werden. Die EDK wird diesbezüglich mit den zuständigen politischen Behörden das Gespräch suchen.

Berufsprüfungen und Höhere Fachprüfungen

Die Berufsprüfungen und Höheren Fachprüfungen sind nicht Teil des Entwurfs HFSV. Es ist vorgesehen, dass die Ausrichtung der Beiträge der öffentlichen Hand an Berufsprüfungen und höhere Fachprüfungen über Bundesrecht gelöst werden soll. Bis unter der Federführung des Bundes (Bundesamt für Berufsbildung und Technologie) die hierfür notwendigen Finanzierungsregelungen erarbeitet worden sind, sollen die Abgeltungen zwischen den Kantonen für die Vorbereitungskurse weiterhin über die heute gültige Fachschulvereinbarung von 1998 (FSV) geregelt werden. Einer vorläufigen Weiterführung der FSV für diesen Bereich wird in der Vernehmlassung zugestimmt.

Die Vernehmlassung

Die Vernehmlassung dauerte von Ende Mai 2010 bis Ende November 2010. Geantwortet haben alle 26 Kantonsregierungen und die Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Teilgenommen haben die Sozialdirektorenkonferenz (SODK) und die Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, Organisationen der Arbeitswelt (Spitzenverbände) und Bildungsanbieter. Rund 40 weitere Organisationen haben ohne Einladung eine Stellungnahme abgegeben.

Das weitere Vorgehen

Der Vorstand der EDK hat das Generalsekretariat der EDK beauftragt, zusammen mit der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) (in dieser Konferenz sind alle Vorsteherinnen und Vorsteher der kantonalen Berufsbildungsämter vertreten) die für die Weiterbearbeitung des Entwurfs notwendigen Entscheidgrundlagen aufzuarbeiten. Diese werden dem Vorstand der EDK und der Plenarversammlung der EDK unterbreitet. Der bereinigte Entwurf muss von der EDK-Plenarversammlung verabschiedet werden. Frühstmöglicher Termin hierfür ist Oktober 2011. Nach der Verabschiedung durch die EDK kann das Konkordat in die kantonalen Beitrittsverfahren gegeben werden.

Mehr Informationen

Der detaillierte Auswertungsbericht ist zugänglich auf der EDK-Website.

Hintergrund: In der Schweiz gibt es rund 200 Höhere Fachschulen (HF). Sie bieten zusammen 400 Bildungsgänge an. Diese qualifizieren für anspruchsvolle berufliche Tätigkeiten und Führungsfunktionen in den Bereichen Technik, Wirtschaft, Gastgewerbe, Tourismus, Hauswirtschaft, Land- und Waldwirtschaft. Hinzu kommen seit einigen Jahren HF-Ausbildungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Erwachsenenbildung sowie Künste und Gestaltung.

Im Studienjahr 2008/2009 besuchten rund 20'000 Personen einen Bildungsgang an einer Höheren Fachschule. Jährlich erwerben mehr als 7000 Personen ein eidgenössisch anerkanntes Diplom an einer Höheren Fachschule.

Die Höheren Fachschulen werden von der öffentlichen Hand getragen oder sind privat. Sie durchlaufen ein Anerkennungsverfahren durch den Bund. 

Herausgeber:
Pressedienst Generalsekretariat EDK
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