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Medienmitteilung 02.05.2005


Kantonale Ergebnisse PISA 2003: Unterschiede und Übereinstimmungen

Bern,  02.05.2005. Zum ersten Mal wird in der Schweiz mit PISA 2003 ein Vergleich der Schülerleistungen zwischen 12 Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein möglich. In allen vier getesteten Bereichen über dem Schweizer Durchschnitt liegen die Kantone Freiburg, St. Gallen, Thurgau und Wallis.

Viele bereits bekannte Erkenntnisse aus dem internationalen Vergleich (siehe Medienmitteilung vom Dezember 7.12.2004) wiederholen sich auch in den Kantonen. Für die Unterschiede zwischen den Kantonen bei den Leistungen oder bei der Stärke von Kontextfaktoren legt der neue Bericht nur wenig aussagekräftige Erklärungen vor. Bei den Lerninhalten lassen sich analoge Verläufe zwischen den Kantonen feststellen. Ein eindeutiger Einfluss der schulischen Organisationsform (des "Systems") auf die Resultate kann auf Grund von PISA 2003 nicht nachgewiesen werden.


An einer Medienorientierung in Bern wurden am 2. Mai 2005 die PISA 2003-Resultate von 12 Kantonen (AG, BE, FR, GE, JU, NE, SG, TG, TI, VD, VS und ZH) und vom Fürstentum Liechtenstein präsentiert (vgl. Link Pressemitteilung Bundesamt für Statistik). Der Präsident der EDK, Regierungsrat Hans Ulrich Stöckling (SG), und Regierungsrat Charles Beer (GE) nahmen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder der Nationalen Steuerungsgruppe PISA.ch eine Einschätzung aus gesamtschweizerischer Sicht vor.

Einbettung der Resultate: ein Blick auf die OECD

Die Ergebnisse der Schweiz bei PISA 2003 (Mathematik, Naturwissenschaften, Problemlösen und Lesen) wurden bereits im Dezember 2004 veröffentlicht. Die Schweiz erreichte dabei im internationalen Vergleich beim Schwerpunkt Mathematik, aber auch im neu getesteten Problemlösen, sehr gute Resultate.
International werden 15-Jährige verglichen, im nun erfolgenden binnenschweizerischen Vergleich die Neuntklässlerinnen und -klässler. Die Stichproben sind also nicht genau gleich, dennoch lässt sich sagen, dass sich die Ergebnisse der Kantone in Mathematik und Problemlösen im internationalen Vergleich auf hohem Niveau bewegen, z.B. liegen alle Kantonsdurchschnitte in Mathematik über dem OECD-Durchschnitt.

Generelle Einschätzung: Was bringt der 2. nationale Expertenbericht?

  • Bestätigung von Bekanntem: Im 2. nationalen Expertenbericht PISA 2003 wird vieles für die kantonale Ebene bestätigt, was bereits aus früheren nationalen und internationalen PISA-Berichten bekannt ist, etwa der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Resultate oder die Unterschiede zwischen Knaben und Mädchen.
  • Wenig Erklärungen für die Unterschiede: Zwischen den Kantonen bestehen in allen getesteten Bereichen deutliche Unterschiede, etwa bei den Mittelwerten der Schülerleistungen, und verschiedene Einflussfaktoren, wie etwa die soziale Herkunft, haben nicht in allen Kantonen die gleiche Stärke. Leider liefert der 2. nationale Bericht PISA 2003 nur wenig Erklärungen für diese Unterschiede, mehrheitlich datengestützte Vermutungen. So scheinen das Alter der Schülerinnen und Schüler (auf Grund des Einschulungsalters sind die Tessinerinnen und Tessiner im 9. Schuljahr am jüngsten) oder die Anzahl Mathematiklektionen eine Rolle zu spielen. Auch der unterschiedliche Anteil von Schülerinnen und Schüler aus migrierten Familien wird als Erklärung herbeigezogen, etwa für den Kanton Genf mit einem sehr hohen Anteil dieser Gruppe.
  • System nicht ausschlaggebend: Auf Basis des interkantonalen Vergleichs bei PISA 2003 kann kein eindeutiger Einfluss der schulischen Organisationsform (des "Systems") auf die Leistungen festgestellt werden. Dies wird von den zusätzlich in der Westschweiz durchgeführten Analysen bestätigt.

Kantone im Vergleich: viele analoge Verläufe

Der 2. nationale Bericht zeigt in mancher Hinsicht analoge Verläufe zwischen den Kantonen:

  • In allen Kantonen wird in Mathematik das beste Ergebnis erreicht, gefolgt von Problemlösen, Naturwissenschaften und Lesen.
  • In allen Kantonen ist die Reihenfolge der getesteten Teilbereiche in Mathematik gleich (am besten sind die Ergebnisse in Geometrie, gefolgt von Arithmetik, Algebra, Wahrscheinlichkeitsrechnen).
  • In allen Kantonen ist ein Einfluss von individuellen Schülermerkmalen oder Kontextmerkmalen auf die Ergebnisse vorhanden und schlägt in die gleiche Richtung, auch wenn die Stärke des Einflusses unterschiedlich ist.

PISA-Aktionsplan bleibt für alle Kantone gültig

nsgesamt liefert der 2. nationale Bericht wenig neue Erklärungsansätze und keine, welche direkt für die bildungsplanerische Arbeit genutzt werden könnten. Es wird sich zeigen, inwiefern die vorgesehenen Analysen in den einzelnen Kantonen zu mehr Erkenntnissen führen werden.

Auf Basis des Berichts können folgende Feststellungen gemacht werden:

  • Die ähnlichen Verläufe zeigen, dass bereits heute zwischen den Kantonen - auch sprachregionenübergreifend - bezüglich Lerninhalten offensichtliche Übereinstimmungen bestehen. Das ist ein gutes Umfeld für die geplante Einführung von nationalen Bildungsstandards (vgl. das EDK-Projekt HarmoS).
  • Ähnlichkeit auch beim Handlungsbedarf: Das Ergebnis beim Lesen bestätigt, dass der PISA-Aktionsplan, den die EDK 2003 beschlossen hat, für sämtliche Kantone gültig bleibt.
  • Die bei PISA 2003 festgestellten Unterschiede zwischen den Kantonen bestätigen die Wichtigkeit des EDK-Projektes HarmoS als Instrument der Qualitätssicherung und -ent-wicklung. Im Rahmen von HarmoS werden ab 2007 landesweit gültige Leistungsstandards für die obligatorische Schule eingeführt, die dann auch regelmässig überprüft werden. Diese Standards werden momentan in wissenschaflichen Projekten entwickelt.


Herausgeber:
Pressedienst Generalsekretariat EDK, Tel. 031 309 51 11