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Medienmitteilung 4.12.2007


PISA 2006: erste Bilanz zum OECD-Programm


Bern, 4. Dezember 2007. Mit PISA 2006 schliesst sich der erste Zyklus eines mehrjährigen OECD-Programms. Die Ergebnisse 2006 mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften fallen für die Schweiz positiv aus.

Eine erste Gesamt-Bilanz des PISA-Programms 2000-2006 bestätigt zwar die Wichtigkeit, sich im internationalen Vergleich in drei Fachbereichen positionieren zu können, zeigt aber gleichzeitig auch Grenzen auf, über dieses OECD-Programm konkrete und gesicherte Hinweise für die Qualitätsentwicklung im Bildungsbereich erhalten zu können.

Die Schweizer 15-Jährigen liegen bei PISA 2006 im internationalen Vergleich in allen getesteten Fachbereichen signifikant über dem OECD-Durchschnitt. Für die Naturwissenschaften bestätigt sich damit das gute, für die Mathematik das sehr gute Schweizer Ergebnis von PISA 2000 und PISA 2003. Im Lesen liegt das Schweizer Ergebnis 2006 erstmals signifikant über dem OECD-Durchschnitt: eine Verbesserung.

Naturwissenschaften im Fokus

Bei PISA 2006 standen die Naturwissenschaften im Fokus und wurden besonders ausführlich getestet. Gemäss OECD ist ein Vergleich zu den Ergebnissen in Naturwissenschaften bei PISA 2000 und 2003 nicht möglich. Das ist bedauerlich und entspricht in keiner Weise den Versprechungen der OECD zu Beginn dieses Programms.

Unterschiede beim Input: Die PISA-Erhebung geht auch der Frage nach, wie viele Lektionen Naturwissenschaften die Schülerinnen und Schüler besuchen. In der Schweiz ist der Anteil der 15-Jährigen mit weniger als zwei Wochenstunden naturwissenschaftlichem Unterricht vergleichsweise hoch (CH 49 %, OECD 33%). Nur 19 % der 15-Jährigen in der Schweiz geben zudem an, während mehr als vier Wochenstunden naturwissenschaftlichen Unterricht zu besuchen. In angelsächsischen Ländern wie Neuseeland, Grossbritannien, den Vereinigten Staaten oder Kanada erreicht dieser Anteil dagegen bis 65 %.
Das Abschneiden der Schweiz ist vor diesem Hintergrund grundsätzlich positiv zu werten. Doch soll diesem Fachbereich künftig mehr Aufmerksamkeit zukommen. So hat die EDK bekanntlich mit der Lancierung des Projektes HarmoS beschlossen, dass auch für die Naturwissenschaften landesweite Mindeststandards gesetzt werden.

Das demografische Umfeld: PISA 2006 erfasst in 57 Ländern Schülerleistungen mit den gleichen, international entwickelten Tests. Die unterschiedlichen demografischen und soziokulturellen Verhältnisse der Länder werden beim internationalen Ergebnisvergleich nicht berücksichtigt. Ein kürzlich ausserhalb PISA erschienener Bericht der OECD zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Schweiz (Etudes économiques de l'OCDE, Suisse, 2007) unterstreicht die besondere Situation der Schweiz, welche eine im internationalen Vergleich in hohem Masse sprachlich und kulturell heterogene Schülerschaft hat. Dass in der Schweiz bei den Naturwissenschaften - ebenso wie bei der Mathematik - der Einfluss des sozioökonomischen Hintergrundes (das beinhaltet namentlich den Bildungsstand der Eltern) auf die Testergebnisse vergleichbar mit dem OECD-Mittel ist, steht für die hohe Integrationsleistung unseres Bildungssystems.

PISA: eine erste Bilanz

Nach den Messungen von 2000 und 2003 schliesst sich mit PISA 2006 der erste Zyklus dieses OECD-Programms. Erklärtes Ziel der OECD ist es, durch den Ländervergleich bei PISA von den anderen Ländern zu lernen, indem man es so macht wie die Besten. Es zeigt sich aber, dass es sehr schwierig ist, einzelne Systemmerkmale (Selektionsformen, Einschulungszeitpunkt etc.) zu isolieren und deren Einfluss auf die Ergebnisse wissenschaftlich nachzuweisen. Das "Lernen von den Besten" ist daher vielen Beschränkungen unterworfen.

Eine erste PISA-Bilanz für die Schweiz:

- PISA hat - anders als vergleichbare Programme - ein grosses mediales und öffentliches Interesse an international vergleichenden Leistungsmessungen im Schulbereich geweckt. Diese Aufmerksamkeit hat zahlreiche Debatten über unser Bildungssystem und dessen Qualität angeregt. Das ist grundsätzlich positiv zu werten.
- PISA hat Schwächen unseres Systems aufgedeckt. So etwa die Feststellung, dass ein weniger günstiger sozioökonomischer Hintergrund in Verbindung mit Fremdsprachigkeit die Leseleistungen vergleichsweise stark beeinflusst. Deshalb wurde in der Schweiz ein Schwerpunkt bei der Leseförderung gesetzt und es wurden verschiedene Folge-Arbeiten auf kantonaler und interkantonaler Ebene ausgelöst.
- PISA ist nur ein Instrument der Systembeobachtung. Um verlässliche Daten für die schweizerische Systemsteuerung zu erhalten, braucht es kantonale und nationale Erhebungen zum Output des Bildungssystems und es braucht eine regelmässige Beobachtung des gesamten Bildungssystems.

Weiterentwicklung des Bildungssystems Schweiz

Auch nach den Ergebnissen aus PISA 2006, die für die Schweiz grundsätzlich positiv ausfallen, verfolgt die EDK die auf nationaler Ebene eingeleiteten Massnahmen zur Weiterentwicklung des Bildungssystems konsequent weiter. Was die obligatorische Schule betrifft, steht für die eingeleiteten Massnahmen das Projekt HarmoS (Harmonisierung der obligatorischen Schule). Dieses verfolgt namentlich eine frühere und flexiblere obligatorische Einschulung, die Einführung und regelmässige Überprüfung von nationalen Bildungsstandards (auch bei den Naturwissenschaften) und den Ausbau einer bedarfsgerechten ausserschulischen Betreuung. Diese Massnahmen sind gerade auch für eine weiter verbesserte Integration von Schülerinnen und Schülern mit einem bildungsfernen Hintergrund in Verbindung mit Fremdsprachigkeit von grosser Wichtigkeit. Die regelmässige Beobachtung des gesamten Bildungssystems wird in der Schweiz künftig über das nationale Bildungsmonitoring von Bund und Kantonen gewährleistet.

Teilnahme an PISA 2009

Die kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren haben sich im Oktober 2006 für eine Teilnahme an PISA 2009 ausgesprochen (Beschluss der Plenarversammlung vom 27. Oktober 2006). Sie erachten eine Beteiligung an PISA bis auf weiteres für die Positionierung der Schweiz im internationalen Vergleich als wichtig. Die nationale Stichprobe wird - wie bisher - die 15-Jährigen und die 9. Schulklassen umfassen. Das Budget für PISA 2009 beträgt rund 3,5 Mio. CHF, je hälftig getragen von Bund und Kantonen. Über die Teilnahme 2012 wird wieder gesondert entschieden werden.


Herausgeber:
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