EDK CDIP CDPE CDEP
EDK CDIP CDPE CDEP

Medienmitteilung 2.11.2007


Sonderpädagogik und Stipendienharmonisierung


Bern, 2. November 2007. Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren hat an ihrer Jahresversammlung vom 25./26. Oktober 2007 in Heiden ein Konkordat zur Sonderpädagogik verabschiedet und gibt es in die kantonalen Beitrittsverfahren. Das Konkordat bildet einen erstmals in dieser Form vorliegenden gesamtschweizerischen Rahmen für die Schulung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf.

Der Vorstand der EDK hat am 25. Oktober 2007 ein Stipendien-Konkordat zur Vernehmlassung freigegeben. Ziel ist eine Harmonisierung der 26 kantonalen Stipendiengesetzgebungen in wichtigen Punkten.

Konkordate sind interkantonales Recht und haben verbindlichen Charakter für die beitretenden Kantone. An einer Medienkonferenz in Bern erläuterten die Präsidentin der EDK, Staatsrätin Isabelle Chassot (FR), und der Generalsekretär der EDK, Hans Ambühl, die beiden Rechtstexte.

Sonderpädagogik-Konkordat

Die "Interkantonale Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik" begleitet einen der wichtigsten Aufgaben- und Lastentransfers in der Folge der NFA. Ab 1. Januar 2008 übernehmen die Kantone die volle rechtliche, finanzielle und fachliche Verantwortung für die Schulung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf. Die Invalidenversicherung wird sich dann aus der Mitfinanzierung (2002 waren das 731 Millionen Franken) und der damit verbundenen Mitregelung zurückziehen. Die vorgesehene Aufgabenentflechtung ist eine Chance: sie wird es ermöglichen, umfassendere und integrativere Ansätze umzusetzen, als dies mit dem Invalidenversicherungsgesetz (IVG) des Bundes von 1959 möglich war.

Das Sonderpädagogik-Konkordat erhielt in der Vernehmlassung eine breite Zustimmung (vgl. Pressemitteilung vom 10. Mai 2007). Die EDK hat es an ihrer Jahresversammlung vom 25./26. Oktober 2007 in Heiden verabschiedet und gibt es damit in die kantonalen Beitrittsverfahren. Die wichtigsten Inhalte:

  • Paradigmen-Wechsel: Alle sonderpädagogischen Aufgaben (ausserhalb des medizinischen Bereichs) werden Teil des Bildungsauftrags. Das ermöglicht den Wechsel von einer "Versicherungs-logik" (defizitorientierte Betrachtung zur Bestimmung von Versicherungsfällen) zu einem förderorientierten Ansatz: welche Zusatzunterstützung ist notwendig für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn?
  • Integration: Nach Möglichkeit sollen integrative Lösungen separierenden Formen vorgezogen werden.
  • Einheitliche Instrumente: Das Sonderpädagogik-Konkordat sieht die Schaffung von drei gesamtschweizerischen Instrumenten vor. Zwei davon hat die EDK ebenfalls bereits am 25. Oktober 2007 verabschiedet: eine einheitliche Terminologie sowie einheitliche Qualitätsvorgaben für die Anerkennung von Leistungsanbietern. Die Arbeiten zur Schaffung des dritten Instrumentes, eines standardisierten Abklärungsverfahrens, laufen. Das Verfahren betrifft die Ermittlung des individuellen Förderbedarfs in Fällen, bei denen intensive und lang dauernde Massnahmen notwendig sind. Es wird nach einer Pilotphase 2008 per Ende 2009 vorliegen.
  • Sonderpädagogische Früherziehung: Mit dem NFA-Transfer übernehmen die Kantone auch die Verantwortung für die vorschulische Förderung im sonderpädagogischen Bereich und damit die Verantwortung für die Anerkennung von Berufsdiplomen in diesem Bereich. Die Revision des entsprechenden EDK-Reglements über die Anerkennung der Diplome in schulischer Heilpädagogik ist im Gange. Vorgesehen ist ein gemeinsamer Ausbildungsteil im sonderpädagogischen Bereich und darauf aufbauend zwei Profile: die Vertiefungsrichtung Heilpädagogische Früherziehung (neu) und die Vertiefungsrichtung Schulische Heilpädagogik (bisher). Die Verabschiedung des Reglements ist für das Frühjahr 2008 vorgesehen.

Das Sonderpädagogik-Konkordat kann frühestens auf den 1. Januar 2011 in Kraft treten. Bis dahin gilt eine vom Bundesparlament festgelegte Übergangsfrist. Während dieser Frist muss das bisher von der IV festgelegte Angebot gewährleistet bleiben. Das Sonderpädagogik-Konkordat bildet aber bereits jetzt einen erstmals in dieser Form vorliegenden, umfassenden und gesamtschweizerischen Rahmen für das sonderpädagogische Bildungsangebot. Bereits jetzt können die Kantone unter Bezugnahme auf diesen Rahmen ihr kantonales Recht anpassen und bis 2011 ihre Sonderschulkonzepte entwickeln und verabschieden.

Stipendien-Konkordat

In der "Interkantonalen Vereinbarung zur Harmonisierung von Ausbildungsbeiträgen" (Stipendien-Konkordat) werden erstmals gesamtschweizerische Grundsätze und Mindeststandards (z.B. Bezügerkreis, Alterslimite für den Bezug, Dauer der Unterstützung, Maximalansätze) für die Vergabe von Ausbildungsbeiträgen festgelegt. Geltungsbereich sind Erstausbildungen auf Sekundarstufe II und auf Tertiärstufe. Ziel ist es, die 26 kantonalen Stipendiengesetzgebungen in wichtigen Punkten zu harmonisieren. In vielen Artikeln generalisiert das Stipendien-Konkordat Lösungen, die bereits heute in einer Mehrheit der Kantone Anwendung finden. Das Ausmass der Veränderungen auf die kantonale Gesetzgebung wird also je nach Kanton unterschiedlich sein.

Das Konkordat geht von Ende November 2007 bis Ende Mai 2008 in eine breite Vernehmlassung bei allen Kantonen sowie weiteren Bildungskreisen. Der Ausgang der Vernehmlassung wird den weiteren Zeitplan bestimmen. Findet das Konkordat eine breite Zustimmung, dann könnte die Vereinbarung im Frühjahr 2009 zuhanden der Kantone verabschiedet werden (frühestmöglicher Zeitpunkt).

Weitere Beschlüsse der Plenarversammlung

Diplomanerkennungsrecht: Der Vorstand der EDK hat am 25. Oktober 2007 ein Profil für die Zusatzausbildung "Fachlehrerin/Fachlehrer Berufswahlunterricht" erlassen. Damit diese Zusatzausbildung mit einem EDK-Zertifikat abgeschlossen werden kann, muss sie bestimmte Kriterien erfüllen (Ziele, Inhalte, Zulassungsbedingungen). Die Kantone sind frei, diese Zusatzausbildungen anzubieten. Der Einsatz von entsprechend ausgebildeten Fachlehrpersonen ist wichtig für die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der obligatorischen Schule in die nachobligatorische Ausbildung.

Herausgeber:
Pressedienst Generalsekretariat EDK, Tel. 031 309 51 11

 

Direkt zu


Kontakt

Pressedienst
Generalsekretariat EDK
+41 (0)31 309 51 11